Vorbereitung: Untergrund, Werkzeug, Rapport
Bevor Sie Wände tapezieren, entscheiden ein tragfähiger Untergrund und passende Werkzeuge darüber, ob die Bahnen gut haften und ordentlich sitzen. Farbe & Wand Ratgeber ist ein unabhängiger deutschsprachiger Informationsratgeber zur Wandgestaltung, kein Handwerksbetrieb, Shop oder Werkstatt. Beginnen Sie mit der Wandprüfung und richten Sie die Vorbereitung nach Material und Zustand der Fläche aus. Eine passende Grundierung gleicht unterschiedliche Saugfähigkeit aus oder verbessert bei glatten Flächen die Haftung. Bei Mustertapeten hilft der Rapport, den Verschnitt und die spätere Anordnung der Bahnen einzuschätzen.
Untergrund prüfen und grundieren
Gehen Sie die Wand in dieser Reihenfolge durch, bevor Sie Tapetengrund auftragen. So erkennen Sie, ob alte Beläge entfernt oder Fehlstellen ausgebessert werden müssen.
- Entfernen Sie lose, beschädigte oder mehrlagige Alt-Tapeten vollständig; fest sitzende Reste dürfen nicht überdeckt werden, wenn sie sich ablösen oder den neuen Belag uneben machen.
- Wischen Sie Staub von der Wand und prüfen Sie die Fläche bei seitlichem Licht: Risse, Löcher und Unebenheiten zeichnen sich dabei besonders deutlich ab.
- Fahren Sie mit der Hand über die Wand und prüfen Sie die Saugfähigkeit mit einem leicht angefeuchteten Schwamm; starkes, schnelles Einziehen weist auf eine saugende Fläche hin.
- Bessern Sie Risse und Vertiefungen mit geeigneter Spachtelmasse aus und glätten Sie Grate, damit der Untergrund gleichmäßig und tragfähig trocknen kann.
- Behandeln Sie saugende, sandende oder unterschiedlich aufnahmefähige Flächen mit Tiefengrund; er reduziert das Einsaugen von Feuchtigkeit und verbessert die Haftbedingungen.
- Tragen Sie auf glatten, nicht saugfähigen Flächen bei Bedarf Haftgrund auf; er schafft eine griffigere Oberfläche, wenn die Tapete sonst schlecht Halt finden würde.
Lassen Sie Spachtelmasse und Grundierung vollständig trocknen und beachten Sie die Verarbeitungsangaben des jeweiligen Produkts. Bei einer gleichmäßig saugenden, festen Wand ist die passende Grundierung meist der entscheidende Schritt für zuverlässigen Halt.
Werkzeug-Checkliste
Legen Sie die benötigten Werkzeuge vor Arbeitsbeginn bereit; ein fehlendes Mess- oder Glättwerkzeug erschwert sauberes Arbeiten an der Wand.
- Der Tapeziertisch bietet eine saubere, ebene Arbeitsfläche zum Vorbereiten der Bahnen; als Alternative eignet sich eine große, glatte und abwischbare Platte.
- Mit der Tapezierbürste streichen Sie die Tapete an; eine Andrückrolle ist eine passende Alternative, wenn Sie lieber mit gleichmäßigem Rollendruck arbeiten.
- Ein Cutter mit Abbrechklinge schneidet Tapete präzise; brechen Sie eine stumpfe Klingenspitze ab, statt mit einer ausgefransten Schneide weiterzuarbeiten.
- Der Spachtel hilft beim Glätten kleiner Wandfehlstellen und beim Andrücken an Kanten; für beide Aufgaben gibt es keinen gleichwertigen Ersatz durch ein Messwerkzeug.
- Wasserwaage oder Lot dienen dazu, eine senkrechte Orientierung an der Wand festzulegen; wählen Sie das Gerät, mit dem Sie sicherer messen.
- Der Zollstock misst Wandhöhe und Abstände; ein Maßband kann dieselben Längen aufnehmen, sofern es sich straff und ohne Durchhang führen lässt.
- Kleisterbürste und Eimer benötigen Sie zum Anrühren und Auftragen des Kleisters; ein sauberer, ausreichend großer Behälter ersetzt den Eimer nur, wenn sich darin gut rühren lässt.
Mit einer ebenen Arbeitsfläche, einem verlässlichen Lot und scharfer Klinge stehen die wichtigsten Hilfsmittel für genaues Arbeiten bereit.
Rapport verstehen
Der Rapport bezeichnet den Abstand, nach dem sich ein Tapetenmuster wiederholt. Auf der Rollenkennzeichnung ist die Rapportlänge meist in Zentimetern angegeben; sie beeinflusst, wie die Muster benachbarter Bahnen zueinander ausgerichtet werden. Bei Strich- oder Zufallsmustern ist kein bestimmter Musteranschluss erforderlich. Ein gerader Rapport verlangt, dass das Muster auf jeder Bahn auf gleicher Höhe beginnt. Beim versetzten Rapport wird das Muster der Nachbarbahn um eine halbe Rapportlänge verschoben, wodurch mehr Verschnitt entsteht.
| Musterart | Wiederholung und Versatz | Folge für den Zuschnitt |
|---|---|---|
| Strich- oder Zufallsmuster | Kein fester Musteranschluss; Versatz 0 | Bahnen lassen sich ohne Musterabgleich nebeneinander ansetzen. |
| Gerader Rapport | Wiederholung nach der angegebenen Rapportlänge; Versatz 0 | Das Muster jeder Nachbarbahn beginnt auf gleicher Höhe. |
| Versetzter Rapport | Wiederholung nach der Rapportlänge; Versatz um ½ Rapportlänge | Die Muster müssen versetzt ausgerichtet werden; dabei fällt mehr Verschnitt an. |
Prüfen Sie vor dem Zuschnitt die Musterangabe auf der Tapetenrolle und halten Sie die Bahnen gedanklich nebeneinander. Bei versetztem Muster ist die halbe Rapportlänge der entscheidende Abstand, der den zusätzlichen Verschnitt erklärt.
Bahnen messen, zuschneiden und kleistern
Für gleichmäßige Bahnen zählen ein genaues Höhenmaß, der Verlauf des Musters und eine zum Tapetenmaterial passende Kleistertechnik. Schneiden Sie jede Bahn so zu, dass oben und unten genügend Überstand zum Anpassen bleibt. Bei Papiertapeten kommt der Kleister auf die Rückseite, während bei Vliestapeten meist die Wand eingekleistert wird. Die Angaben auf der Rollenverpackung sind maßgeblich, denn Zuschnitt, Kleister und Weichzeit unterscheiden sich je nach Tapete.
Zuschnitt mit Zugabe
Messen Sie die Wandhöhe vom oberen Abschluss bis zum Fußboden an mehreren Stellen, denn Decken und Böden verlaufen nicht immer exakt parallel. Für die Bahnenlänge ist das größte Maß entscheidend. Addieren Sie oben und unten jeweils einige Zentimeter Zugabe; häufig sind insgesamt etwa 5 bis 10 Zentimeter praktisch, doch bei stark unebenen Abschlüssen kann mehr Spielraum nötig sein. So lässt sich die Bahn beim Ansetzen ausrichten, ohne dass am Rand ein unbedeckter Streifen entsteht.
Bei gemusterten Tapeten beeinflusst der Musterverlauf den Zuschnitt: Das Motiv der nächsten Bahn muss an der vorherigen anschließen. Legen Sie die Rollen daher so nebeneinander, dass Sie den Rapport erkennen, und verschieben Sie den Schnittpunkt entsprechend. Je nach Muster kann dadurch zusätzlicher Verschnitt entstehen. Kontrollieren Sie vor jedem Schnitt, ob Ober- und Unterkante sowie die Motivfolge zur vorherigen Bahn passen; eine Markierung auf der Rückseite hilft, die Oberseite eindeutig zuzuordnen.
Schneiden Sie die Tapetenbahnen auf einer sauberen, ebenen Fläche mit einer geraden Schnittkante zu. Nach dem Ansetzen und Ausrichten wird der Überstand oben und unten bündig beschnitten. Dazu drücken Sie die Tapete am Abschluss vorsichtig in die Kante und führen ein scharfes Messer entlang einer geraden Kante. Wechseln Sie die Klinge, sobald sie die Tapete eher zieht als sauber trennt. Ein passender Zuschnitt mit Zugabe lässt genug Spielraum für den Wandverlauf und ergibt nach dem Beschneiden einen geraden Abschluss.
Kleistertechnik für Papier und Vlies
Welche Kleistertechnik passt, hängt von der Tapetenart ab. Papiertapete wird auf der Rückseite eingekleistert: Verteilen Sie den Kleister gleichmäßig bis zu den Kanten, damit auch die Ränder haften. Bei Vliestapete wird der Kleister meist direkt auf die Wand gerollt oder gestrichen; anschließend legen Sie die trockene Bahn in das Kleisterbett. Maßgeblich sind die Kennzeichnung der Rolle und die dort empfohlenen Verarbeitungshinweise, denn nicht jede Tapete ist für dieselbe Methode vorgesehen.
Wählen Sie den Kleister passend zum Material und zur Tapetenoberfläche. Auf der Rollenverpackung finden Sie die dafür vorgesehene Kleisterart sowie Hinweise zur Anwendung. Ein Kleister für Papiertapeten ist nicht automatisch die richtige Wahl für Vlies; Spezial- oder Vlieskleister kann je nach Produkt erforderlich sein. Rühren Sie das Kleisterpulver nach den Angaben des Herstellers an und beachten Sie dabei die ausgewiesene Wassermenge. Eine pauschale Mischung passt nicht zu allen Produkten, da Zusammensetzung und Tapetengewicht variieren.
Bei Papiertapete tragen Sie den Kleister auf die Bahn auf und achten besonders darauf, dass die Randbereiche vollständig benetzt sind. Falten Sie die eingekleisterte Bahn anschließend locker zusammen, ohne scharfe Knicke hineinzudrücken. Bei Vlies reicht es, den Kleister auf den Wandabschnitt für die nächste Bahn aufzutragen. Arbeiten Sie dabei bahnenweise: Wird eine zu große Fläche vorab eingekleistert, kann der Kleister an einzelnen Stellen antrocknen, bevor die Tapete sitzt.
Verwenden Sie nicht mehr Kleister als nötig. Eine dicke oder ungleichmäßige Schicht kann Flecken begünstigen und dazu führen, dass sich Blasen bilden. Zu wenig Kleister an den Kanten kann dagegen die Haftung beeinträchtigen. Für ein sauberes Ergebnis genügt ein gleichmäßiger Auftrag, der zur jeweiligen Tapete und zum Untergrund passt; die Herstellerangaben auf der Verpackung geben dafür die Orientierung.
Weichzeit beachten
Die Weichzeit ist die Ruhezeit, in der eingekleisterte Papiertapete Kleister aufnimmt und sich gleichmäßig ausdehnt. Sie variiert je nach Papier, Tapetenaufbau und Produkt; eine feste Zeitspanne gilt deshalb nicht für alle Rollen. Lesen Sie die Angabe auf der Rollenverpackung ab und halten Sie sie für jede Bahn ein. Beginnen Sie mit der nächsten Bahn nicht deutlich früher oder später, nur weil die erste bereits fertig vorbereitet ist.
Behandeln Sie alle Bahnen gleich: Tragen Sie den Kleister in derselben Weise auf und falten Sie die Tapete jeweils locker zusammen. Wenn eine Bahn länger liegt als die nächste, können sie sich unterschiedlich ausdehnen. Das erschwert beim Ansetzen den Anschluss der Muster und der Kanten. Richten Sie die Arbeit so ein, dass Sie die Bahnen nacheinander mit ähnlichem zeitlichem Abstand vorbereiten. Am zuverlässigsten gelingt der Zuschnitt, wenn die Verpackungsangaben zur Weichzeit eingehalten werden.
Tapezieren Schritt für Schritt
Beim Tapezieren entscheidet die Reihenfolge darüber, ob Bahnen gerade sitzen und Übergänge im fertigen Raum ruhig wirken. Beginnen Sie an einer lotrechten Bezugslinie und arbeiten Sie von der Fensterseite weg, damit das einfallende Licht Nähte weniger betont. Drücken Sie jede Bahn kontrolliert an, statt sie durch starkes Ziehen in Position zu bringen. An Ecken, Steckdosen und Fensterlaibungen sind angepasste Zuschnitte zuverlässiger als eine unkontrolliert umgelegte Tapetenbahn.
Erste Bahn lotrecht setzen
Die erste Bahn bestimmt den Verlauf aller folgenden Bahnen. Richten Sie sie deshalb mit Lot oder Laser aus und beginnen Sie an der Fensterseite, nicht an einer vermeintlich geraden Ecke.
- Bestimmen Sie die Startposition und markieren Sie mit Lot oder Laser eine senkrechte Bezugslinie. Wände und Ecken weichen oft ab; eine schiefe Ecke würde den Fehler auf jede weitere Bahn übertragen.
- Legen Sie die Bahn so bereit, dass die Oberkante an der Decke eine kleine Zugabe behält. Die Zugabe erleichtert den späteren sauberen Abschluss, ohne die senkrechte Ausrichtung zu verändern.
- Setzen Sie die Tapete oben an und richten Sie ihre Kante an der Bezugslinie aus. Kontrollieren Sie dabei über die gesamte Bahnhöhe, damit die Bahn nicht unten aus der Senkrechten läuft.
- Streichen Sie den oberen Bereich zunächst leicht an und prüfen Sie die Lage erneut. Solange die Bahn noch verschiebbar ist, lassen sich kleine Abweichungen korrigieren, ohne die Kante zu dehnen.
- Arbeiten Sie von der Fensterseite aus in den Raum hinein und legen Sie die nächste Bahn an der ersten an. So fallen die Übergänge bei seitlichem Lichteinfall meist weniger deutlich auf.
- Schneiden Sie Überstände an Decke und Sockel mit scharfem Messer entlang einer breiten Spachtel ab. Wechseln Sie die Klinge bei Bedarf, damit ausgefranste Kanten nicht den Abschluss beeinträchtigen.
Verlassen Sie sich nicht auf eine Ecke als Orientierung: Schon wenige Millimeter Abweichung können sich über mehrere Bahnen sichtbar vergrößern. Die lotrechte erste Bahn ist die verlässlichste Grundlage für gerade Wände und gleichmäßige Anschlüsse.
Andrücken, Luftblasen und Nähte
Streichen Sie die Tapete nach dem Ansetzen mit einer Tapezierbürste von der Mitte zu den Seiten glatt. Bei empfindlichen oder geprägten Oberflächen eignet sich eine weiche Bürste; eine Andrückrolle kann bei robusten Tapeten helfen, gleichmäßigen Kontakt herzustellen. Arbeiten Sie in kurzen, überlappenden Zügen, damit Luft seitlich entweichen kann und sich keine Falte vor dem Werkzeug zusammenschiebt.
Entdecken Sie eine Luftblase, führen Sie die Bürste vom Blasenbereich zum nächstgelegenen Rand. Drücken Sie nicht punktuell mit starkem Druck auf die Oberfläche: Das kann Prägungen abflachen oder glänzende Stellen erzeugen. Bleibt eine Blase trotz vorsichtigem Ausstreichen bestehen, prüfen Sie, ob darunter noch feuchte Tapete verschoben werden kann, bevor Sie weiterarbeiten.
Bei den meisten modernen Tapeten werden die Bahnen Stoß an Stoß gelegt, also ohne Überlappung. Schieben Sie die Kanten behutsam zusammen, bis sie sich berühren, und kontrollieren Sie den Verlauf oben, in der Mitte und am unteren Ende. Ziehen Sie die Bahn nicht an der Kante, denn gedehntes Material kann sich beim Trocknen zurückziehen und eine sichtbare Fuge öffnen.
Wischen Sie Kleister, der auf die Tapetenoberfläche gelangt, sofort mit einem sauberen, leicht angefeuchteten Tuch ab. Tupfen oder wischen Sie entsprechend der Oberflächenempfindlichkeit und verwenden Sie klares Wasser; eingetrocknete Rückstände können besonders auf dunklen oder glänzenden Tapeten auffallen. Kontrollieren Sie die Naht anschließend bei schrägem Lichteinfall, ohne sie mit der Rolle unnötig festzupressen.
Ecken, Steckdosen und Fensterlaibung
Innenecken sind häufig nicht rechtwinklig. Messen Sie deshalb den Abstand zur Ecke oben, in der Mitte und unten, statt eine ganze Bahn um die Wandkante zu führen. Schneiden Sie sie so zu, dass nur ein schmaler Streifen, meist etwa ein bis zwei Zentimeter, auf die angrenzende Wand umgelegt wird. Richten Sie die nächste Bahn an einer neuen senkrechten Linie aus; folgt sie der schiefen Ecke, kann sie sichtbar aus dem Lot geraten. Bei stärker strukturierten oder empfindlichen Tapeten richten Sie sich für den Übergang nach den Herstellerangaben.
Vor Arbeiten in der Nähe einer Steckdose schalten Sie den zugehörigen Stromkreis am Sicherungskasten ab. Prüfen Sie vor dem Berühren elektrischer Teile mit einem geeigneten Spannungsprüfer, ob die Stelle spannungsfrei ist. Schneiden Sie die Tapete nicht großzügig um die Dose herum aus: Setzen Sie sie zunächst über die Öffnung und schneiden Sie anschließend vorsichtig eine passende Öffnung, die vom Abdeckrahmen verdeckt wird. Arbeiten Sie mit scharfem Messer und kleiner Schnittführung, damit die Kante nicht einreißt.
An einer Fensterlaibung führen Sie die Bahn bis an die Öffnung und schneiden von den oberen Ecken aus kurze Entlastungsschnitte in Richtung Laibung. Lassen Sie zunächst etwas Material stehen, drücken Sie die Tapete in die Kante und trimmen Sie den Überstand mit einer Spachtel als Führung. So vermeiden Sie einen zu kurzen Schnitt, der später einen unbedeckten Wandstreifen freilegt.
Prüfen Sie nach jedem Zuschnitt, ob die Tapete in der Ecke, am Dosenrand und entlang der Laibung überall anliegt. Für saubere Anschlüsse bewähren sich kleine, kontrollierte Schnitte und eine senkrechte Orientierung der nächsten Bahn besser als das Erzwingen einer durchgehenden Bahn um jede Kante.
Typische Fehler und Lösungen
Beim Tapezieren werden Fehler oft erst sichtbar, wenn die Bahn an der Wand liegt oder der Kleister trocknet. Blasen, offene Nähte und Falten weisen meist auf unterschiedliche Probleme beim Kleisterauftrag oder beim Ansetzen hin. Farbabweichungen können dagegen schon auf der Rolle angelegt sein oder durch eine wechselnde Musterrichtung entstehen. Wer das Fehlerbild richtig zuordnet, kann gezielt nachbessern, statt eine ganze Bahn unnötig abzulösen.
Blasen, offene Nähte und Falten
Prüfen Sie zuerst, ob die Tapete noch feucht und beweglich ist: Solange der Kleister nicht angezogen hat, lässt sich eine Bahn meist leichter korrigieren. Die Tabelle ordnet häufige Fehler den passenden Ursachen und Maßnahmen zu.
| Fehlerbild | Typische Ursache | Passende Abhilfe |
|---|---|---|
| Blase unter der Tapete | Zu wenig Kleister an der Stelle oder bei Papiertapete eine zu kurze Weichzeit; das Papier dehnt sich nach dem Ansetzen noch aus. | Bei noch feuchter Tapete die Blase mit der Tapezierbürste vorsichtig zum Rand ausstreichen. Ist der Kleister bereits angezogen, Kleister hinter die betroffene Stelle geben und die Tapete wieder andrücken. |
| Offene Naht | Trockene Bahnenkanten oder zu wenig Kleister am Rand; die Kante haftet nicht ausreichend und zieht sich beim Trocknen zurück. | Die Naht mit Nahtkleber nachkleben und die Kante behutsam andrücken. Überschüssigen Kleber mit einem sauberen, leicht angefeuchteten Tuch aufnehmen, ohne die Tapetenoberfläche zu reiben. |
| Falte quer oder längs in der Bahn | Die Bahn wurde ungleichmäßig angesetzt oder beim Andrücken verschoben; dadurch liegt das Material nicht glatt an. | Die Bahn im noch feuchten Zustand vorsichtig bis zur Falte lösen und neu ausrichten. Anschließend von der Mitte nach außen glatt streichen, statt die Falte durch starkes Ziehen zu dehnen. |
| Blase oder Wulst an einer Naht | Eine Kante liegt auf der anderen, oder Kleister ist beim Andrücken unter der Naht zusammengeschoben worden. | Die Kante vorsichtig öffnen, Kleister gleichmäßig verteilen und beide Seiten bündig anlegen. Mit wenig Druck andrücken, damit sich die Naht nicht erneut verschiebt. |
Entscheidend ist der Zeitpunkt: Feuchte Tapeten lassen sich meist durch vorsichtiges Lösen korrigieren, bei bereits trockenen Stellen hilft gezieltes Nachkleben.
Streifen und Farbunterschiede
Deutliche Farbunterschiede zwischen benachbarten Bahnen entstehen häufig, wenn die Rollen aus unterschiedlichen Produktionschargen stammen. Auch bei identischer Tapetenfarbe kann der Farbauftrag zwischen Chargen leicht variieren. Vergleichen Sie deshalb vor dem Tapezieren die Chargennummern auf den Rollenetiketten und verwenden Sie für eine zusammenhängende Wandfläche Rollen mit übereinstimmender Nummer.
Fällt ein Streifen erst an der Wand auf, prüfen Sie zuerst die Etiketten der verwendeten Rollen. Eine nachträgliche Korrektur durch anderes Andrücken oder zusätzliches Glätten gleicht unterschiedliche Farbnuancen nicht aus. Bei noch nicht verarbeiteten Rollen lassen sich die Bahnen nach Chargen sortieren; zusammengehörende Rollen sollten für dieselbe Fläche vorgesehen werden.
Eine weitere Ursache ist die Musterrichtung. Je nach Oberfläche und Druck kann eine Bahn, die um 180 Grad gedreht hängt, heller, dunkler oder im Muster verändert wirken. Die Fallbahn bezeichnet die Ausrichtung, bei der alle Bahnen in derselben Richtung hängen. Halten Sie diese Richtung über die gesamte Wand hinweg ein und drehen Sie zugeschnittene Bahnen nicht abwechselnd um. So bleiben sowohl Farbwirkung als auch Musterverlauf gleichmäßig.
Praktisch bewährt sich, vor dem Anbringen die Chargennummern zu vergleichen und die Bahnen mit gleicher Fallrichtung bereitzulegen.
Tapete überstreichen und wieder entfernen
Ob eine Tapete überstrichen werden kann, hängt vor allem von ihrem Material, der Oberflächenbeschichtung und ihrem festen Sitz an der Wand ab. Raufaser ist für einen neuen Anstrich vorgesehen; bei Vliestapeten muss die konkrete Oberfläche dafür geeignet sein. Ist ein Anstrich keine gute Lösung, richtet sich das Vorgehen beim Ablösen nach dem Tapetentyp: Vlies lässt sich häufig trocken abziehen, Papier wird eingeweicht. Bei Vinyl- und abwaschbaren Tapeten muss Wasser zunächst durch die Oberfläche gelangen, bevor sich die Papierschicht lösen kann.
Raufaser und Vlies überstreichen
Raufasertapete ist dafür vorgesehen, mehrfach überstrichen zu werden. Vor dem Anstrich sollte sie trocken und fest an der Wand sitzen; prüfen Sie besonders die Kanten und Nähte, denn lose Stellen können sich durch die Feuchtigkeit der Farbe weiter lösen. Staub lässt sich mit einer weichen Bürste entfernen. Bei älterer Raufaser lohnt sich ein Probeanstrich an einer unauffälligen Stelle: So zeigt sich, ob die vorhandene Beschichtung Farbe annimmt und die Struktur sichtbar bleibt.
Bei Vliestapeten entscheidet die jeweilige Oberfläche. Eine schlichte, matte Tapete kann sich zum Überstreichen eignen, während glatte, beschichtete oder dekorativ veredelte Oberflächen Farbe schlechter aufnehmen oder ihr Aussehen verändern können. Prüfen Sie die Herstellerangaben und testen Sie die Haftung mit einem kleinen Farbauftrag, bevor Sie die ganze Wand streichen. Bleibt die Tapete fest und trocknet die Probe gleichmäßig, ist ein Anstrich meist praktikabel.
Überstreichen ist sinnvoll, wenn das Muster oder die Farbe nicht mehr gefällt, die Tapete aber intakt und gut befestigt ist. Entfernen Sie sie lieber vorher, wenn sie sich an mehreren Stellen ablöst, die Oberfläche stark beschädigt ist oder mehrere alte Farbschichten die Struktur bereits zugedeckt haben. Ein weiterer Anstrich kann Reliefs flacher wirken lassen und Unebenheiten optisch stärker hervorheben. Bei einer stabilen Raufaser genügt dagegen häufig ein neuer, gleichmäßiger Anstrich, ohne die Tapete von der Wand zu nehmen.
Tapete entfernen
Vliestapeten lassen sich meist trocken in ganzen Bahnen abziehen. Lösen Sie eine Bahn an einer oberen Ecke oder an einer Naht und ziehen Sie sie langsam nach unten, möglichst dicht an der Wand entlang. So verringert sich die Belastung für den Putz. Ist die Tapete nicht trocken abziehbar oder bleibt eine Trägerschicht zurück, lässt sich diese mit Wasser anfeuchten und anschließend vorsichtig mit einem breiten Spachtel lösen.
Papiertapeten müssen vor dem Abschaben durchfeuchten. Tragen Sie warmes Wasser abschnittsweise mit Schwamm oder Quast auf und lassen Sie es etwa 10 bis 15 Minuten einwirken. Bei dickerem oder mehrfach gestrichenem Papier kann ein zweiter Auftrag nötig sein, weil Wasser langsamer eindringt. Sobald sich das Papier erweicht, schieben Sie einen breiten Spachtel flach unter die Tapete und lösen sie Stück für Stück, statt mit der Kante in den Wandputz zu stechen.
Vinyl- und andere abwaschbare Tapeten nehmen Wasser an der Oberfläche nur schlecht auf. Perforieren Sie die Deckschicht mit einem geeigneten Tapetenigel oder einer Perforierwalze, ohne dabei tief in den Untergrund zu schneiden. Danach kann Wasser durch die kleinen Öffnungen bis zur Papierschicht gelangen. Lassen Sie es einwirken und prüfen Sie an einer Kante, ob sich die Schicht löst; bei manchen Vinylbelägen lässt sich zuerst die Deckhaut abziehen, während der Papierträger angefeuchtet und abgeschabt werden muss. Abschnittsweises Arbeiten hilft, das Ablösewasser nicht vor dem Einwirken trocknen zu lassen.